Cultural Studies Profilfahrt

Chicken Run Away

11 Uhr Treffpunkt am Helmut-Schmidt-Flughafen und Abflug um 13:25. Diese Informationen wurden war Anlass unterschiedlicher Reaktionen, da das System-Erde-Mensch-Profil zwar schon um 4  Uhr morgens auf den Beinen sein musste, dafür aber einige Stündchen mehr vom Montag haben würde. Man könnte sagen, dass sich in diesem Moment eine Janusmaske zeigte. Als dann die ersten London-Bilder der SEM-Menschen eintrudelten, befanden auch wir uns endlich auf dem Weg zum Flughafen.
Nach einigen Komplikationen und minimalen Verzögerungen beim Self-Check-In waren wir schließlich alle bereit die Reise zu antreten.
Da wir jedoch noch reichlich Zeit hatten, wurden wir, nach Durchnummerierung seitens Frau Kölzow und Frau Ihlenfeldt,
für ein 45-minütiges Zeitfenster zum Rumstrolchen von der Leine gelassen.
Diese Zeit nutzen Jan Carsten Reuter und Maurice Victor Häger beispielsweise dafür sich mit einem Kaffee zu vertrösten, nachdem sie zuvor partout weder den ,,Playboy“ noch das ,,Handelsblatt“ auffinden konnten.

          

Treue Begleiter unserer Reise waren minimale Verspätungen und kleine Komplikationen.

So hatten wir eben jene auch bevor wir unsere überhaupt Füße in einen Flieger Richtung London setzen konnten.
Nachdem Teile des Handgepäcks aufgrund schlechter Organisation seitens Eurowings doch noch eingecheckt werden mussten, ging es endlich los.
Die Flugzeit überbrückten einige Leute mit Schlaf (generell schien Schlaf ein wichtiger Bestandteil dieser Reise zu werden), andere entschieden sich dazu, gefühlt den halben Flug damit zu verbringen, immer wieder die gleiche Routen vom Flughafen bis zum Hostel auszudiskutieren und wiederum andere unterhielten sich nett mit ihren Mitmenschen.

Als alle Strapazen dann nach circa zwei Stunden Flug überwunden waren, machten wir Bekanntschaft mit der berühmten „Underground“, welche der Großteil unserer Gruppe schnell durchschaute. Dies hielt uns trotzdem nicht davon ab, uns ab und an zu verfahren, da keiner so wirklich Lust hatte bestimmten Personen mit schnell erhitztem Gemütszustand zu widersprechen.

Das Hotel lag mehr oder weniger zentral und verkehrsgünstig in einer Hauptstraße, in der man abends ab und an das Gefühl nicht loswurde, man hätte heute lieber etwas weniger Bargeld eingesteckt. Nach einstündiger Odyssee erreichten wir endlich in unserem Hostel an und konnten einchecken. Was die Schülerschaft dann erwartete, beraubte erst einmal allen den Atem – im wahrsten Sinne des Wortes.

Erst einmal war der Anblick von Dreierstockbetten für die meisten unter uns eine Neuheit und allein beim Anblick des Raumes wurde uns schnell bewusst, dass man sich in den nächsten Tagen vielleicht etwas näher kommen würde als erwünscht.

Den Atem raubte uns allen jedoch der penetrante Geruch von frittiertem Hühnchen, den wir allen Fastfood-Ketten der Umgebung, wovon es reichlich gab, zu verdanken hatten. Da wir unsere Fenster jedoch alle offenlassen mussten um hin und wieder die Zirkulation von etwas O2 zu ermöglichen, einigten wir uns, zumindest im 6er-Zimmer der Jungen, darauf, diesen Geruch für die folgenden Tage in Kauf zu nehmen.

Von nun an wurde sich strikt an die bucket-policy von Tim Lukas Schneider gehalten, der früh erkannte, dass der einzig erfolgreiche Weg sich diesem Geruch zu entwinden, das Eins-Werden mit dem Hühnchen bedeutete.

Nach spartanischer Einrichtung im Zimmer wurden wir dann auf eigene Faust losgeschickt um etwas zwischen unsere Zähne zu bekommen. Angeführt von Marco Drews waren einige Leute bereit ihren Magen aufs Spiel zu setzen und entschieden sich dazu etwas kostengünstiger in einem gastronomischen Betrieb namens „Chicken Cottage“ zu speisen, der neben einer Google Bewertung von 3,4 Sternen auch Rezensionen wie „I became sick after I ate a half pounder from this cottage chicken“ vorzuweisen hat.

Nachdem alle -mehr oder weniger- pünktlich, aber definitiv gestärkt am Treffpunkt ankamen, ging es wieder mit der „Underground“ weiter, wobei sich die „Central Line“ als Sauna entpuppte und fortan liebevoll auf  „Central Heating Line getauft wurde. An der Themse angekommen, begannen wir mit dem Queen´s Walk und schauten uns einige der vielen Sehenswürdigkeiten an, welche London zu bieten hat. Ein wenig enttäuschend empfanden wir die Performance des Big Ben´s, der scheinbar zu schüchtern war sich in seiner vollen Pracht zu offenbaren, was jedoch die Blicke aufs London Eye sowie die neugotischen Bauwerke wiedergutmachten.

Nachdem wir sowohl die Millennium Bridge als auch die Tower Bridge bewanderten und zwischenzeitlich die Themse aus den Augen verloren, zeigte der Schrittzähler am Ende des Tages 20953 an. Die Erschöpfung nach dem ersten aufregenden Tag resultierte darin, dass ALLE in Windeseile das Reich der Träume betraten.

(What happened in room 3 stays in room 3)

Workers of all lands, unite!

Für die Herren begann der Tag damit, dass Jan Carsten Reuter, Maurice Victor Häger und meine Wenigkeit es gegen 6:15 nicht mehr in den Betten aushielten und uns dazu entschieden rücksichtslos das Licht anzuschalten und unsere Dusch- und Reinigungsutensilien, damit wir nicht ungesund und kaputt aussehen würden, unter den wüsten Beschimpfungen ,der ,nun nicht mehr schlafenden Mitmenschen, aus den Kulturtaschen kramten. Nach Abschluss unserer Morgenroutine begaben wir uns in den nächstgelegenen Supermarkt und deckten uns dort mit einigen Kleinigkeiten ein.

Das Frühstück in der dem Hostel zugehörigen Bar barg eine erneute Überraschung, welche ganz und gar nicht gut aufgenommen wurde: Es gab keinen Toaster. Das trockene Toast musste mit Limetten-garniertem Wasser hinuntergespült werden, da die wenigstens existente Kaffeemaschine nur ab und an mal sporadisch funktionieren wollte.

Im Anschluss an das eher kärgliche Frühstück besorgten wir uns dann Lunchpakete bei „Waitrose´s“, welcher sich schnell zum Supermarkt unseres Vertrauens etablierte. Hier konnten Jan C. Reuter, Maurice V. Häger und Marco Drews außerdem ihre Finanzstabilisierungsmaßnahmen vor dem Brexit anwenden konnten um die lokale Wirtschaft in Sheperd´s Bush zu unterstützen und ein Stück weit wiederzubeleben.

Dann ging es auf zum Imperial War Museum wo wir einige Rechercheaufträge erhielten bevor wir die Ausstellung zum Ersten Weltkrieg besuchten. Das Ganze war wirklich nett und sehr informativ gestaltet, weshalb man wirklich viel Zeit damit verbringen konnte, ohne wirklich jene Rechercheaufträge zu befolgen.

Nach einer kurzen Nachbesprechung und einer Essenspause war dann die Holocaust-Ausstellung dran, welche alle bereits mit einem mulmigen Gefühl betraten, da auch diese sehr detailliert und mit unterschiedlichen Sinnesorganen spielte und sich deshalb auch irgendwo in einer anderen Dimension als der Besuch des KZ Neuengamme in der 10. Klasse abspielte.

Nach zwei Stunden sammelten sich alle wieder und bekamen bis zum geplanten abendlichen Theaterbesuch etwas Freizeit, welche unterschiedlich gefüllt wurde. Das Cultural Studies-Profil teilte sich in drei Gruppen mit unterschiedlichen Zielen auf.

Die Gruppe aus Lisa Emine Willenborg, Ira Marcella Partzsch und Sophia Marie Gisela Ingrid Teschner besuchten Gleis 9 ¾, wo sie sich mit Harry Potter Merch eindeckten, worum ich sie etwas beneide.

Maurice Victor Häger, Jan Carsten Reuter, Tim Lukas Schneider, Xenia Riel und Marco Drews entschieden sich wiederum für eine Reise zum Buckingham Palace, weil Jan C. das Verlangen hatte den Grenadier Guards auf die Nerven zu gehen.

Diese Pläne wurden jedoch aufgrund monsunartiger Zustände, die bis zu den Knien stehendes Wasser zur Folge hatten, durchkreuzt.

Daraufhin beschloss Maurice Häger das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Er führte die Gruppe trotz stürmischer Bedingungen durch White Hall und klapperte Sehenswürdigkeiten von Trafalgar Square bis hin zum Picadilly Circus schneller ab als ein langjähriger Touristenführer es hinbekommen hätte.

Als sich schließlich der Regen legte beschloss die Gruppe sich in einer Fastfood-Kette zu erholen, um fit für das Theaterstück zu sein.

Worüber ich etwas ausführlicher berichten kann, ist die Expedition, die Nora Petersen, Mascha Hamel, Juliana Therese Martine Ingelmann, Malena Anna Eberbach, Dorian Nicolas Schmalhofer und ich antraten. Unser Ziel war der Highgate Cemetry, welcher das Grabmal von Karl Marx beherbergt,  jedoch ziemlich weit entfernt vom Museum lag und somit eine einstündige Fahrt mit der „Underground“ bedeutete.

Diese Expedition wurde zusätzlich verzögert, weil Dorian N. Schmalhofer die Bahnstation Highgate vorschlug, welche aber letztlich einen Umweg von 20 Minuten zu Fuß mit sich brachte. Dies stellte sich aber als keine zusätzliche Strapaze heraus, da die Umgebung im positivem Sinne atemberaubend war und wir aus irgendwelchen Gründen vom Regen verschont blieben, welcher dann erst leicht einsetzte als wir unsere Füße durch das Tor des Friedhofes setzten.

Nach einigem Suchen fanden wir auch die von Genosse Engels finanzierte Büste und konnten Karl die letzte Ehre erweisen.

Ausgezehrt vom großen Spaziergang fuhren wir nach Camden Town wo wir uns auf dem Lock Market mit leckerem Streetfood aus aller Welt stärken konnten.

Erst als wir in der Bahn saßen, wurden wir Opfer des Regens, der den Vormittag und eigentlich während unseres gesamten London-Aufenthalts wütete. Die Bahnstation „Victoria“ war aufgrund der Überschwemmungen nicht einsetzbar.

Eine pünktliche Ankunft am Royal Court Theatre geriet damit in Gefahr.

Die Vorstellung des „Zu-Spät-Kommens“ und der daraus potenziell resultierenden Gemütslage Frau Kölzows ging uns durch Mark und Bein. Da Frau Kölzow aber natürlich etwas mehr Zeit eingeplant hatte und auch die anderen Gruppen durch den Regen verschuldete Verspätungen aufzuweisen hatten, zeigte unsere Tutorin zum Glück Barmherzigkeit und Verständnis.

Notiz an die Leser dieses Journals: Hört immer auf eurer Tutoren!

(denn meist liegen sie im Recht und wenn nicht wirkt sich jeglicher Widerspruch negativ auf eure Note aus)

Pünktlich betraten wir das Theater und schauten das Stück an, welches allen Mitgliedern des Profils zumindest phasenweise gut gefiel.

Eine lustige Anekdote am Rande, welche sich an diesem Tag abspielte:

Malena Anna Eberbach kam auf die glorreiche Idee an der Highgate-Bahnstation mit einer anderen Person durch den Oysterkarten-Scanner zu huschen, um sich so einige Groschen zu ersparen.

Am Ende des Tages wunderte sie sich, nur noch ein paar Pfund auf der Karte zu haben.

Scheinbar ist auf unerklärliche Weise das Gegenteil eingetreten.

Kinder, seid nicht wie Malena Anna Eberbach.

 

GyRi goes global

Der Mittwoch begann verhältnismäßig ähnlich wie der Dienstag, nur dass wir drei dieses Mal in der Lage waren unsere tägliche Routine zu vollbringen ohne den Rest der Rasselbande aufzuwecken.

Nach dem „Frühstück“ ging es wieder zu Waitrose´s und dann zu den ersten Kriegsmonumenten, welche Thema von vor der Reise zugeteilten und vorbereiteten Präsentation waren.

Mit einer Tour durch das Royal Court Theatre und einem anschließenden Workshop ging der Tag weiter. Mithilfe diverser Diskussionen und Improvisationseinheiten beschäftigten  wir uns mit dem Theaterstück des Vortags und hatten eine Menge Spaß.  Gegen Ende, als die fünfte Stunde läutete, waren wir alle psychisch ausgelaugt und waren auch etwas erleichtert, dass der Workshop zu Ende ging.

Da wir einen Haufen Brettspiele mit im Gepäck hatten, vereinbarten wir einen gemeinsamen Spieleabend und brachen dann in getrennten Gruppen auf.

Was dann folgte, war etwas ganz Besonderes: Treffen mit Grüppchen aus dem System-Erde-Mensch Profil.

Wir gingen zusammen zu Harrods und besorgten einige Geschenke für unsere Liebsten und spazierten dann gemeinsam durch den Hyde Park, um schließlich den gemeinsamen Abend mit einer Pizza ausklingen zu lassen.

Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt trafen wir im Aufenthaltsraum des Hostels ein, der eine schlechtere Luft als die Zimmer besaß und spielten dann eine Runde „Risiko“ bevor keiner mehr Lust hatte und uns Frau Kölzow und Frau Ihlenfeldt in unsere Zimmer beorderten.

ORDER!!!

Am Donnerstag begann der Tag mit einer Stadtführung von einem netten Herrn namens Richard, der uns erstaunlich viel über die Sanitationsanlagen  des viktorianischen London zu erzählen hatten und uns einige Ecken von London zeigte, welche wohl nicht jedermann/frau auf dem Schirm gehabt hätte. Was mir von ihm außerdem in Erinnerung blieb, war die elegante Art mit der er seinen Schirm aus- und einzufahren vermochte. Waschechter Londoner.

Nach der Führung aßen wir unsere Snacks, natürlich von Waitrose´s, oder besorgten uns etwas vom lokalen Borough Market,  wie zum Beispiel ein deliziöses Wildpilzrisotto.

Darauf folgte ein Besuch im Houses of Commons, wo wir uns eine Sitzung im britischen Unterhaus ansahen und das B-Wort eine Art Tabuwort war und John Bercow verdammt viel rumschrie.

Anschließend grasten wir noch zwei weitere Kriegsmonumente ab, bei denen die Präsentierenden gegen laute Straßensituationen oder Helikopter oder beides anschreien mussten.

Nach Beendigung dieses Programms gingen wir zum Trafalgar Square und bewunderten die Kunst, die in der National Gallery aushing.

Dann vollzog sich eine erneute Teilung der Gruppe einige gingen nach Chinatown und genehmigten sich dann einen langen Spaziergang durch den Hyde Park, wobei wir beinahe eingesperrt worden wären, weil die Tore scheinbar gegen 7 Uhr abends geschlossen werden.

Der Abend wurde beim gemeinsamen indischen Essen, welcher hauptsächlich aus einer Rekapitulation der lustigsten und schönsten Momente unserer Profilfahrt bestand. Im Hostel wurde in Vorbereitung des folgenden Abreisetages angefangen, den Großteil der eigenen Dinge im Koffer zu verstauen und im Falle der Leute, die dazu verdammt worden einen Extrakoffer mitzunehmen, aufmerksam wie eine Adlermutter versucht so viel zusätzlichen Ballast der anderen zu vermeiden wie möglich. Dies gelang mir scheinbar nicht besonders gut, da Marco Drews es irgendwie hinbekam mir seine Sportschuhe in den Koffer zu schmuggeln.

Der letzte Tag in London begann wie jeder andere. Mittlerweile hatte ein jeder den Zustand erreicht, wo man sich wünscht wieder zuhause in den eigenen vier Wänden vor sich hinzuvegetieren.

Doch es stand noch eine Menge Programm auf dem Plan.

Nach der letzten Präsentation, welche sich zum Glück um ein Monument direkt neben dem nächsten Ziel drehte, betraten wir dann die St. Pauls Cathedral , in welcher für meinen Geschmack ziemlich viele Statuen von Kriegstreibern in einem Gotteshaus ausgestellt sind.  Nachdem wir die 528 Stufen bis zur Kuppel erklommen hatten, erreichte uns plötzlich die Hiobsbotschaft, dass wir gemeinsam mit dem System-Erde-Mensch Profil die Rückreise antreten würden.

 

Diese Nachricht traf uns schwer, doch wir ließen uns nicht kleinkriegen und besuchten noch einmal zusammen den Camden Town Market, wo noch einmal das BIP von Großbritannien angekurbelt wurde, bevor es dann Abschied nehmen hieß.

In Heathrow kamen wir etwas später als geplant an. Glücklicherweise lief außer dem Verlust von Dorians Marmelade, die er für seine Mutter besorgt hatte, alles recht geschmiert und wir begegneten schon bald Schülern des anderen Profils.

Unser Flug erhielt mit minimaler Verspätung ein Gate zugeteilt und mit minimaler Verspätung erreichten wir schließlich nach einem recht ereignislosen Rückflug wieder das kalte, nasse Hamburg.

Fast hätten wir alles dramafrei überstanden, doch eine meiner Mitschülerinnen war der Meinung im letzten Moment der gemeinsamen Zeit unsere Freundschaft unter Zerreißprobe zu stellen in dem sie meine Hose als, in ihren Worten, „unglaublich hässlich“ bezeichnete.

Ich habe mir geschworen ihr das dies bis zu meinem letzten Atemzug nicht zu verzeihen.

Lustig ist, dass ich mich am Samstag ein wenig leer in meinem großen Bett fühlte und irgendwie die mehr oder weniger minutiös, durchgetaktete Tagesplanung, die Hektik und insbesondere die gemeinsame Zeit mit den anderen Schusselköpfen vermisste.

 

An der Stelle geht noch einmal ein spezieller Dank an Nora Petersen raus, die sich die Mühe gemacht hat meinen Bericht grammatikalisch und stilistisch zu überarbeiten.