Cultural Studies Profilfahrt – Reisebericht 2

London Bericht

Wenn man London mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es wohl „Vielfalt“.

Da denkt man sofort an „Artenvielfalt“ wie im Regenwald, in den Tropen mit ihren undurchdringlichen Dickichten, verrückten aber farbenprächtigen Vögeln und dem Schwirren und Summen in allen Höhen und Winkeln- kurz gefasst: Ein unüberblickbares Durcheinander, bei dessen Anblick einem vor Staunen die Kinnlade runterklappt.

Natürlich waren wir nicht vollkommen fremd im Stadtdschungel von London. Hätte sich einer verirrt, hätte er einfach den nächsten Gentleman im schönsten britischen Englisch nach dem Weg gefragt (notfalls auch in holprigem Schulenglisch).

Unseres Geschichtswissens zuliebe gingen wir am ersten Tag nach unserer Ankunft ins Imperial War Museum, wo wir Rechercheaufträge erhielten und die „First World War Gallery“ so wie die „Holocaust Exhibition“ besuchten. Wir stellten schnell fest, dass das Thema „Krieg“ in England ganz anders aufgefasst wird als wir es gewohnt sind. Besonders der Souvenirshop mit den Propaganda-Postkarten und den unzähligen Churchillbildern (-kopfkissen, -teetassen etc.) bot einen Anblick, den man nicht so schnell vergisst. Hingegen zweifelsfrei beeindruckend war das Theaterstück im Royal Court Theatre am selben Abend, genau wie die Technik dahinter, die uns am nächsten Tag bei einer Rundführung offenbart wurde. In einem dazugehörigen Workshop diskutierten wir die vier kurzen Stücke, die wir noch am Vorabend gesehen hatten und spielten selber kleine Szenen, die davon inspiriert waren. Es mag verrückt klingen, Haushaltsgegenstände darzustellen und ihnen Persönlichkeiten zu geben, und das war es, aber es entstanden einige witzige Bilder und Spaß machte es auch.

Das war bereits an unserem dritten Tag in London und die Zeit lief immer schneller. Es gab so viele Eindrücke, die in uns aufgesogen werden wollten, Nachtspaziergänge an der mit Lichtern geschmückten Themse, urige Gassen und Märkte wie wir sie bei unserer Stadtführung am vierten Tag erkundeten und das alles meistens begleitet von strömendem Regen, der uns bis auf die Knochen durchweichte. Zum Glück fand ein großer Teil unseres Aufenthalts im unterirdischen Tunnelsystem statt, der „Underground Railroad“, in der wir einige interessante Fragen klären konnten. Wir stellten zum Beispiel fest, dass es 2,15£ kostet, wenn man durch eine der Schranken zur Underground Railroad läuft und direkt danach wieder in die andere Richtung heraustritt- obwohl man gar nicht mit dem Zug gefahren ist (Danke Maurice, für deine empirische Aufopferung!). So konnten wir auch die Theorie ausschließen, dass die Kartenautomaten die Zeit stoppen, wenn man mit seiner Oyster-Card ein- und wieder auscheckt. Ungeklärt blieb allerdings, warum Malena nach einer Bahnfahrt plötzlich fünf Pounds weniger Guthaben hatte als alle anderen… aber manche Geheimnisse bleiben wohl in London.

Im „Houses of Parliament“, vor dem wir aufgrund einer Pro-Brexit Demonstration einen kleinen Kulturschock erlitten, wurde rege diskutiert, allerdings weniger wegen des Brexits als wegen der Umweltfrage. Daher war die Beteiligung auch vergleichsweise klein und niemand, der nicht rumschreien sollte, schrie herum oder musste deswegen ermahnt werden. Das Wort Brexit fiel natürlich dennoch, wenn auch ziemlich zusammenhangslos. Auch hier wurde ein kultureller Unterschied zum deutschen Parlament deutlich, der allerdings nicht sehr überraschend kam. Somit war der PGW Anteil der Profilreise gedeckt. Damit auch das Fach Kunst genügend repräsentiert wurde, hielten wir im Laufe der Woche Präsentationen zu Denkmälern, die in London verteilt waren und untersuchten sie sowohl unter Berücksichtigung der geschichtlichen als auch der künstlerischen Darstellung. Die meisten dieser Denkmäler befanden sich in Westminster, wo wir einige der wichtigsten Gebäude besichtigten (der Big Ben war unglücklicherweise hinter Baugerüsten verschwunden) und wo wir unsere Tutorin Frau Kölzow vor dem Winston Churchill Denkmal posieren ließen (Es war ihr etwas peinlich, als die Reisegruppe neben uns plötzlich in begeisterten Applaus ausbrach). Am letzten Tag waren wir in der St. Paul’s Cathedral und in Camden Town, einem Wunsch vieler Schüler, die aus den gleichnamigen Büchern früher Englisch gelernt hatten. Einige von uns nutzten die Zeit dort, um wenigstens einmal originale „Fish ’n’ Chips“ zu probieren. Andere schlugen sich den Bauch mit Süßigkeiten voll (was im Nachhinein keine gute Idee war, weil ihnen davon sehr sehr übel wurde).

Als wir schließlich am Abend erschöpft aber zufrieden am Londoner Flughafen saßen und einem niedlichen Drogenspürhund zuguckten, der fröhlich auf der Jagd nach seinem Ball die Leute von den Füßen fegte, wurde uns klar, dass die Tage im Hostel gezählt waren, dass die Jungen nicht mehr in ihrem nach Frittierfett müffelnden Zimmer schlafen und die Mädchen nicht mehr in ihrem Achtbettzimmer zusammenrücken würden, dass Frau Kölzow und Frau Ihlenfeld uns von nun an nicht mehr abends zählten und wir uns am nächsten Morgen zum Frühstück keine labbrigen Toast mehr essen durften, um uns danach in den endlosen Tunnelsystemen zu verfahren.

Die Londoner Regenstadt war exotisch, in jeder Hinsicht. Es ist unmöglich, die Vielfalt der Hauptstadt von England annähernd zu beschreiben, aber so viel sei gesagt: Mit welcher Einstellung man nach London kommt, ist vollkommen egal. Am Ende wird man immer überrascht sein (in unserem Fall im positiven Sinne).

 

P.S. Irgendwann gab es indisches Essen…